Wegweiser 1/01
"Die Welt ist Illusion, nur Brahman ist wirklich. Die Welt ist Brahman."
Wenn wir nur den ersten Teil dieses Satzes hören und realisieren, bleiben wir
in einer sehr subtilen Form der Dualität verhaftet und gebärden uns wie es Rinzai,
ein Zenmeister aus dem 9. Jhd., es so schön beschreibt: ,,Ihr gleicht eilig
erleuchteten Bodhisattvas, welche die Verkörperung der Welt zwar durchschaut
haben, sich nun aber nach dem reinen Land sehnen und voll Verachtung für das
irdische Jammertal hier sind.“
Ich nenne das ,Advaita-Dualität‘. ,,Die Welt ist Illusion“ — das ist wahr. ,,Nur
Brahman ist wirklich“ — nur das reine bewusste Sein ist wirklich. Aber dann:
,,Die Welt ist Brahman“! Nichts ist getrennt von DEM. Jedes Wesen, jeder Stein,
jedes Universum — dieselbe Schönheit, dieselbe Wahrheit in unzähligen individuellen
Formen. In der Annahme der Soheit der Dinge, der Nacktheit der Phänomene, der
ganzen Bandbreite der Existenz, des Lebens mitsamt Ausdehnung und Zusammenziehung,
mit Freude und Schmerz und in der Bereitschaft all das ganz zu erfahren, alles
einzuschließen und dabei still zu bleiben, damit im Frieden sein, enthüllt sich
wieder und wieder und tiefer und tiefer DAS, was völlig unberührt, völlig glücklich
war, ist und sein wird. Es ist die Bereitschaft nötig, ganz Mensch zu sein und
ganz Gott zu sein, ganz hier, ganz jetzt zu sein. Oder wie Jesus sagte: ,,in
der Welt zu sein, aber nicht von der Welt“. Und dann:
Der Tanz des Lebens in all seinen Formen — welche Schönheit in jedem Moment,
welche Tiefe, sich ewig vertiefend. Kein Ende des Erkennens in DEM. Pyar
Copyright 2001 Pyar