Mensch und Sein April 02
„Was ist DAS“
"Du hast in deinem Buch sehr anschaulich und verständlich deine "Geschichte des Erwachens" erzählt, mit allen Höhen und Tiefen. Du hast auch geschrieben, dass jedes Erwachen einmalig ist. Es ist für jeden anders, und man sollte sich nicht an Vorbilder klammern. Doch da ist ja auch das, was für alle gilt und seit Jahrtausenden als das höchste Ziel und einzig wahrer Sinn des menschlichen Lebens genannt wird: Nirvana, Befreiung, Erleuchtung...Was ist dieses Eine für dich, wie erlebst du es jetzt, in deinem Leben? Und was ist, wenn ich unerleuchtet sterbe?"
Dieses
Eine ist Das woran jede Sprache scheitert. Sorry, ich kann dir dieses Eine nicht
beschreiben. Trotzdem haben viele Mystiker, von Kabir über Johannes vom Kreuz
bis zu Osho es immer wieder versucht. Ja, wir versuchen immer wieder zu beschreiben
was nicht schreibbar ist, zu sprechen was jenseits von Worten ist. Und das ist
gut so. Ich kann nicht sagen, ich erlebe ES so oder so, ich kann nicht sagen
es hätte diese oder jene Eigenschaft. Es ist. Das reicht. Es ist das, in dem
jedes Erfahren und jede Eigenschaft, jedes heiß und kalt, jedes süß und sauer,
jedes schön und hässlich erscheint. Aber ich kann dir sagen, dass mein Leben
ein Tanz ist, ich kann dir sagen, dass kein Kämpfen mehr geschieht mit dem Leben,
dass Leiden aufgehört hat, ich kann dir sagen, dass das Leben noch nie so lebendig
war wie in den letzten Jahren. Ich kann dir sagen, dass da eine stille, leise
Glückseligkeit ist, die immer da ist, in angenehmen und unangenehmen Momenten
des Lebens. Ich kann dir sagen, dass der Friede unerschütterlich ist und der
Raum ohne Ende und ohne Halt. Ich kann dir sagen, dass ich staune und staune
und staune und dass die Entdeckungsreise in der Unendlichkeit ohne Ende ist.
Und all das beschreibt es nicht… Johannes vom Kreuz schreibt davon so schön:
„Ich trat ein und wusst’ nicht, wo. Und ich blieb auch ohne Wissen, alles Wissen
übersteigend. … Frieden ist’s mit Gott und Welt, wovon ich zutiefst erfahr’.
Ganz allein in meinem Herzen. … Dieses Wissen, das nicht weiß, ist von großer
Mächtigkeit und die Weisen können nie denkend sich’s zu eigen machen. All ihr
Wissen reicht nicht hin, nichtverstehend zu verstehen, alles Wissen übersteigend.
Jenes allerhöchste Wissen ist so überhoch erhaben, dass kein Können und kein
Wissen jemals es begreifen kann.Nur wer selber sich besiegte, durch ein Wissen,
das nicht weiß, wird’s für immer übersteigen. Doch wer hören will, der höre:
dieses allerhöchste Wissen ist über Empfinden hoch erhaben, Gottes eigner Wesenheit.
Diese wirkt in ihrer Güte und lässt nichtverstehend bleiben, alles Wissen übersteigend.“
Ja, so ist es. Was ist wenn du unerleuchtet stirbst? Sollte es so sein, dann
ist das kein Problem – das hast du schon oft getan.
Sei versichert, was auch immer du an Samen gesät hast in all deinen Leben wird
aufgehen. Also säe und säe tanzend, säe feiernd, säe still, säe liebevoll! Es
ist Frühjahr – säe und genieße das Wachsen, staune über jedes Blatt in der Natur
draußen und in dir – staune über jedes Blatt das wächst. Und das Staunen, die
Dankbarkeit, die Geduld, das Tanzen, das still sein, sind wie der Dünger, wie
die Sonne, wie das Wasser, das die Pflanze braucht – mehr Blätter, mehr Blüten
– Samen – Früchte… Was für ein wunderbarer Tanz. Vorder Erleuchtung und nach
der Erleuchtung. Genieße den Tanz! Wenn du in diesem Tanz ganz da bist, ohne
Bedingung, ohne Ziel, von Moment zu Moment – immer jetzt - dann verschwindest
du in die Existenz, denn da ist kein Platz für ich – dann bist du dieser Tanz
– dann ist da kein Leiden mehr, keine Trennung, kein Weg, kein Ziel, kein Mensch
hier und Gott da – das ist Erleuchtung.
Pyar (copyright 04/2002 Pyar)