Connection 2/2001 Titelthema: Die Rückkehr des Ego
Pyar:
»Das Ego wird von der Angst genährt«
Wenn man genau untersucht, aus was dieses ,,Ich“, dieses Ego besteht, findet
man eine Ansammlung von Geschichten, Gedanken, Vorstellungen, Gefühlen und ein
paar Milliarden Zellen. Und all das ändert sich ständig. Gedanken kommen und
gehen. Vorstellungen wandeln sich, Gefuhle sind unbeständig wie Wolken am Himmel,
und der Körper ist in ständigem Wandel begriffen, bis er irgendwann stirbt.
Das Ganze wird scheinbar zusammengehalten von dem Gedanken „ich“. Dieser Gedanke.
diese Vorstellung von ,,ich“ als einer getrennten Person scheint sehr real und
stabil zu sein. Diese scheinbare Stabilität besteht jedoch nur an der Oberfläche.
Sobald man wirklich tief und rücksichtslos nachforscht, findet man nichts. Dieses
Nichts macht Angst und deshalb sind wir ständig auf der Ego-Baustelle zugange,
verstärken hier, verbessern da. um dieses Haus, das in Wahrheit so wenig existiert
wie des Kaisers neue Kleider, vor dem Einsturz zu bewahren. Und da es in Wahrheit
nur eine Fiktion ist, ist ständige Anstrengung notwendig. es aufrecht zu erhalten.
Das Ego ist weder gut noch schlecht, es ist nur eine Vorstellung. Diese Vorstellung
wird genährt von der Angst, dem zu begegnen, was ist und wird genährt vom Kampf.
Jeder Wunsch und jede Ablehnung bedeutet zugleich eine Abtrennung und verfestigt
die Vorstellung von „ich“, führt somit zu neuem Leiden. Sie ist wie ein dicker
Filter, wie eine harte Schale, die die Wahrheit unseres Selbst verhüllt. Auch
die Ablehnung des Ego, der Kampf gegen das Ego führt zu nichts anderem. Das
Zauberwort heißt ,,Ja“, heißt Hingabe, heißt Akzeptanz dessen was ist. Und genau
hier, genau jetzt ist das größte Wunder möglich: zu entdecken, dass in der Mitte
von allem nichts ist als reines Sein, die Wahrheit unseres Selbst — überfließend
niemandem gehörend, das Wesen von allem, jedes Sterns, jedes Lebewesens — nichts
ausschließend, alles einschließend — keine Trennung. kein Ich, kein Du. keine
Person. Nur an der Oberfläche scheinen Personen, Egos und Identitäten zu existieren.
Hier, ganz in der Mitte verschwindet all das.
Pyar (copyright 2001 Pyar)