Pyar zum 11. September 2001, veröffentlicht im Wegweiser 5/01
,,Im Angesicht der Katastrophen und der Gewalt in den USA und an vielen Orten der Welt empfinde ich tiefen Schmerz. Schmerz ob des Leidens, das da geschieht und Schmerz im Angesicht des Ego, das da so deutlich wird in seiner Angst, seinem Machtstreben, seinem Wahnsinn, wie in einem gigantischen Spiegel und doch immer dasselbe ist, dieselbe bittere Wurzel des Leidens im Großen wie im Kleinen. Dieselbe Gier, derselbe Hass, dieselbe Verblendung. Doch in der Mitte all des Schmerzes und alles umgreifend ist immer Frieden, Liebe, Stille, offener Raum - vollkommen unberührt. Es gibt nur eine Möglichkeit für Frieden: den Krieg, das Streben und das Ablehnen in jedem von uns zu beenden und einfach nur zu sein. Ruhend in Dem ist unfriedliches Handeln unmöglich. Frieden nur im Außen schaffen zu wollen ist immer gescheitert. Ich sitze und bin still und in Frieden und da ist Gebet - ohne Absender und ohne Adresse. In Liebe.“ Pyar, 18. September2001
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Wegweiser-Magazin 6/01 „Friedensbotschaften“
Frieden - die Essenz jedes Wesens (von Pyar)
Die Essenz jedes Wesens ist Frieden selbst. Es gibt nur eine Möglichkeit für Frieden: den Krieg in jedem von uns zu beenden. Das Streben und das Ablehnen in uns zu beenden und einfach nur zu sein. Ruhend in dem ist unfriedliches Handeln nicht möglich. Ein Mensch, der in Frieden ist und in diesem Frieden lebt, strahlt Frieden aus. Da gibt es keine Trennung, keinen Hass, kein unfriedliches Handeln. Dieser gelebte Friede des Herzens und des Geistes ist ansteckend. Wie in dieser Geschichte: Ein Krieger besuchte Hakuin, einen großen Zenmeister, und fragte: ,,Gibt es einen Himmel und gibt es eine Hölle?“ Hakuin fragte: ,,Wer bist du?“ Der Krieger antwortete: „Ich bin ein bedeutender Samural.“ Hakuin: ,,Du willst ein Samurai sein? Du siehst mehr wie ein Bettler aus!“ Der Krieger würde furchtbar wütend und zog sein Schwert. Hakuin stand ruhig vor ihm und sagte: ,,Das ist das Tor zur Hölle.“ Den Meister so friedlich und gelassen dastehen zu sehen und diese Worte zu hören, erschütterte und berührte den Samuraj zutiefst. Er steckte das Schwert in die Scheide und verbeugte sich. ,,Und das ist das Tor zum Himmel“, sagte Hakuin. Der Weg zum Frieden fordert Mut, Wachheit, Ehrlichkeit und die Bereitschaft erst dem eigenen Krieg zu begegnen, dem eigenen Zorn, dem eigenen Kampf, dem eigenen Macht-streben, der eigenen Unsicherheit, dem eigenen Tor zur Hölle, anstatt all das immer draußen zu sehen in der „bösen Welt“. Diese Qualitäten bringt dieser Samurai mit. Ganz klar stellt er seine Frage und ganz offen zeigt er Hakuin seinen Zorn und seine Gewaltbereitschaft, und mit offenem Herz und weitem Geist ist er selbst mitten in seinem Zorn bereit zu hören und zu sehen, was ihm von der Existenz und von Hakuin als Antwort vermittelt wird. Und er steht da vom Donner gerührt — der große Krieger kann nicht anders als sein Schwert einstecken und sich verbeugen. So findet er mitten in der Begegnung mit seinem eigenen Hass und seiner Unsicherheit den Frieden, den Himmel, nach dem er fragte. Der Weg des Friedens ist ein wegloser Weg ohne Anfang und ohne Ende — es ist der Weg aller Buddhas. Es ist ein Hinüber und Hinüber und Hinüber und noch mehr Hinüber. Es ist ein Weg der immer Jetzt ist. Auf diesem Weg gibt es keine Frage nach Zukunft, Gewinn, Herkunft oder Verlust. Kein Ziel, kein Erreichen. Keine Trennung kein Begehren — kein Kampf. -
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